Lebensphasen des Menschen – Veränderung als Chance

Alle 7 Jahre wieder: Neue Lebensphase – neue Perspektive?

Nichts im Leben ist so konstant wie die Veränderung. Alles fließt. Sicherheit ist eine Illusion. 

So oder so ähnlich hören wir es immer wieder und leider (oder zum Glück?) ist es auch so. Immer wieder gibt es Phasen im Leben, in denen wir vor einer Veränderung stehen, in denen etwas Altes zu Ende geht und ein Neubeginn auf uns wartet. Dies ist nicht immer einfach. Denn vor allem, wenn eine Phase von einer längeren Stabilität geprägt war, entstehen Zweifel und Ängste, wenn uns die gewohnte Sicherheit plötzlich verloren geht. 

Aber das muss nicht sein: denn jede neue Lebensphase birgt auch eine große Chance. Und wenn du dich rechtzeitig mit diesem Thema bzw. den anstehenden Herausforderungen auseinandersetzt, kann sich hieraus auch etwas Wundervolles ergeben. Warum das so ist und wie du diese Chance für dich nutzt, um neue Perspektiven zu gewinnen, erfährst du in diesem Beitrag. 

Die Magie der 7

Wahrscheinlich gibt es so viele verschiedene Lebensphasen-Modelle wie es Leben gibt ; )

Aber wer kennt nicht den Ausspruch “das verflixte siebente Jahr”? Die Zahl 7 hatte schon immer etwas Magisches an sich und wir begegnen ihr immer wieder. Einige Beispiel: Die Woche hat 7 Tage, der Regenbogen 7 Farben, es gibt 7 Chakren, 7 Todsünden und auch Schneewittchen hatte 7 Zwerge. Und demzufolge ist es naheliegend, dass es auch Theorien gibt, die davon ausgehen, dass unser Leben in 7-Jahres-Zyklen verläuft.

Damit der Beitrag nicht zu lange wird, lasse ich im folgenden eine Beschreibung der ersten 21 Jahre bewusst außen vor. Ich schätze mal, dass die meisten LeserInnen diese Phase(n) der Kindheit, Jugend und des Erwachsenwerdens schon mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Die (aktive) Zeitspanne zwischen 21 und 42 Jahre

Spannender wird es dann mit dem zweiten “21-Jahre-Block”: In diesem, oftmals als aktive Phase bezeichneten Lebensabschnitt, findet v.a. die Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt statt. Mehrere wichtige Themen stehen hier an: Berufswahl, Karriere, Familie – und demzufolge auch große Herausforderungen für jede Work-Life-Optimierung ; )

Auch dieser Lebensabschnitt lässt sich wiederum in drei Phasen von jeweils sieben Jahren unterteilen: 

Sturm und Drang (21-28 Jahre)

Die Phase zwischen 21 und 28 Jahren wird gerne auch Sturm-und-Drang-Phase genannt. Es ist die erste richtige Phase des Erwachsenenalters, eine Zeit des Aufbruchs, oftmals verbunden mit dem Wunsch nach mehr Autonomie und der endgültigen Loslösung vom Elternhaus. Diese Phase ist auch geprägt von vielen neuen Erfahrungen und Entdeckungen – Erleben hat i.d.R. einen sehr hohen Stellenwert. 

Der Fokus liegt auf der Ausbildung, der richtigen Berufswahl und auf der neu gewonnenen Freiheit und Selbstständigkeit. Körperlich “gereift” und “voll im Saft stehend” wenden wir uns nun verstärkt dem Thema Selbstverwirklichung und zwangsläufig auch dem Thema Selbstverantwortung zu. Die wesentlichen Fragen drehen sich in dieser Phase um den Beruf: 

  • welcher Beruf ist der richtige für mich? 
  • was bereitet mir Freude, was mache ich gern?
  • Welcher Job passt zu meinen Talenten und Fähigkeiten?
  • Wo kann ich mich am besten verwirklichen und gleichzeitig Geld verdienen? 

Leider ist es häufig so, dass wir diese Fragen in jungen Jahren gar nicht so richtig beantworten können, da wir es einfach nicht wissen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Nicht jeder hat sich mit seinen Stärken und den eigenen Wünschen bewusst auseinandergesetzt. Empfehlenswert ist hier z.B. die Beschäftigung mit den vier Kernfragen von ikigai (siehe z.B. Video zum Thema ikigai).

Das Bewusstsein der eigenen Stärken ist nicht nur bei der Berufswahl sehr hilfreich. Es gibt hierfür natürlich zahlreiche (Persönlichkeits-)Tests, jedoch ist nicht jeder wirklich hilfreich (ich verwende z.B. in meinem Coaching den wissenschaftlich fundierten Deep O.C.E.A.N.-Test).

Familienglück und Karriereplanung (28-35 Jahre)

Ausbildung, Studium und die ersten Berufsjahre hinter sich und um viele Erfahrungen reicher, kommt im Alter zwischen 28 und 35 Jahren dann eine Phase, die oftmals mit Familienplanung bzw. -gründung einhergeht. Der Ernst des Lebens beginnt, das Leben nimmt Fahrt auf, sowohl privat als auch beruflich. Hohe Leistungsfähigkeit, weitere Karriereschritte, gemeinsame Zukunftspläne (Kinder, Haus, Altersvorsorge etc.) prägen diese Phase.

Für viele ist diese Phase eine “Reifephase”, da neben der Selbstverantwortung nun auch die Verantwortung gegenüber dem Partner und den Kindern dazu kommt. Dies ist oft auch verbunden mit einer Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse. Vor allem für Frauen ergeben sich hier einige Herausforderungen, was die Vereinbarung von Arbeit und Familie angeht. Aber auch viele Männer erkennen zum Glück immer mehr den Wert einer verantwortungsvollen Vaterrolle. Auch diese Phase ist natürlich mit Herausforderungen verbunden, jedoch werden diese i.d.R. gemeinsam gemeistert, so dass uns hier zumeist das idealtypische Bild einer jungen Familie mit Haus und Garten und einer wundervollen und glücklichen Zukunft vermittelt wird.

Erste Standortbestimmung (35-42 Jahre)

Leider hält auch diese Phase nicht ewig und oftmals ergeben sich im Alter zwischen 35 und 42 Jahren erste größere Krisen sowohl mit sich selbst als auch in der Partnerschaft. Oftmals gelingt der Spagat zwischen Arbeit und Privatleben nicht mehr so, wie wir uns das gewünscht haben. Wir werden selbstkritischer, aber auch kritischer gegenüber unserer Umwelt. Gesundheitliche, berufliche oder private Krisen führen zu einer tieferen Reflexion bzw. einer ersten Standortbestimmung mit folgenden Fragen:

  • Wo stehe ich gerade?
  • Was habe ich bisher erreicht?
  • Wo will ich eigentlich hin? 

Vielleicht ist nun der ideale Zeitpunkt für eine tiefergehende Ist-Analyse gekommen (z.B. mit dem ganzheitlichen Work-Life-Lebensrad). Denn diese kann dabei helfen, sich auf den nächsten Lebensabschnitt vorzubereiten, der für das weitere Leben oftmals eine entscheidende Rolle spielt.

Lebensmitte – Krise oder Chance?

Da ist sie also, rein statistisch gesehen die Lebensmitte zwischen 42 und 49 Jahren. Wir spüren, dass die körperliche Vitalität langsam abnimmt, die Endlichkeit des Lebens wird uns immer bewusster und die Frage nach dem Sinn von allem beschäftigt uns das erste Mal so wirklich. Wo sind sie hin unsere Träume, die wir noch vor Jahren hatten? Was bringt mir der ganze berufliche Erfolg? Bin ich wirklich ganzheitlich glücklich? 

Sinnkrise, Midlife-Krise oder was auch immer – eine Um- bzw. Neuorientierung drängt sich auf. Dies erfordert jedoch ein Loslassen von alten gewohnten Dingen und eine ehrliche Selbstreflexion. Dazu gehört auch Mut. Nicht selten hindert uns jedoch unser Harmonie- und Sicherheitsbedürfnis daran, wirklich etwas zu verändern und wir machen weiter wie bisher, obwohl wir damit unglücklich sind. 

Dass sich jedoch etwas verändern sollte ist uns – zumindest unbewusst – klar. Solch eine Veränderung muss nicht zwangsläufig radikal sein, wie z.B. eine Trennung oder Kündigung. Manchmal reicht auch eine ehrliche Betrachtung des Themas. So kann z.B. durch eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Partner eine neue Basis bzw. eine neue gemeinsame Vision für die nächste Lebensphase geschaffen werden. Und auch hier ist es wieder wichtig, erst einmal sich seiner selbst bzw. der eigenen Persönlichkeit sowie der Verhaltens- und Denkmuster bewusst zu werden. Hierdurch bekommen wir nämlich mehr Verständnis für uns und unser Umfeld.  

Hinterm Horizont geht’s weiter (49-56 Jahre)

Je nachdem, inwieweit es uns gelungen ist, die Krise der Lebensmitte zu meistern, erreichen wir nun eine Lebensphase (49 – 56 Jahre), in der wir noch einmal neu durchstarten können oder eher verbittert durchs Leben gehen. Wenn wir es z.B. nicht schaffen, unser fortschreitendes Alter zu akzeptieren und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was uns wirklich guttut, besteht die Gefahr, dass wir verzweifelt versuchen, “einen auf jung zu machen”: ein neuer Sportwagen, eine junge Geliebte, ein jugendliches Outfit – letztendlich nur eine Selbsttäuschung, die sich früher oder später zwangsläufig in Luft auflöst bzw. noch unglücklicher macht, wenn man irgendwann aus der Selbsttäuschung erwacht. 

Sinnvoller ist es, in dieser Phase einen neuen Lebensrhythmus und neue Perspektiven zu finden, zu akzeptieren, dass man eben keine 20 mehr ist und den Wert der Erfahrung zu schätzen lernt. Folgende Fragen können dabei helfen: 

  • Worauf soll mein Fokus für die kommenden Jahre liegen? 
  • Wie kann ich mehr Sinnhaftigkeit und Freude in mein Leben bringen?
  • Soll ich mich beruflich nochmals umorientieren?
  • Wie kann ich meine Erfahrung möglichst sinnvoll weitergeben?
  • Was kann ich tun, um körperlich und geistig fit zu bleiben? 

Vielleicht ist dein Weg ja eine Neuorientierung; du könntest z.B. etwas Neues aufbauen, dich selbstständig machen und dich dort verwirklichen. Eine Tätigkeit, die dir Freude bereitet und wo du deine Fähigkeiten und Talente optimal einsetzen kannst. Und wer weiß, vielleicht findest du dabei ja auch dein ikigai bzw. dein ganzheitliches Glück.

Auch eine Partnerschaft kann in dieser Phase neu erblühen – wenn beide Seiten bereit sind, den anderen so zu akzeptieren wie er bzw. sie ist. Wenn z.B. beide Partner durch einen Test die Persönlichkeitsausprägungen des anderen besser verstehen, wird relativ schnell deutlich, wo “Krisenpotential” besteht und was man dagegen tun (auch hier empfehle ich den Deep O.C.E.A.N.-Test als Basis). Zudem empfehle ich gerne einen Austausch über die gemeinsame Vision. Wenn beide Partner eine zumindest ähnliche Vorstellung von der (gemeinsamen) Zukunft haben, ist das eine starke Basis für die Beziehung und auch potentielle Hindernisse können dann einfacher überwunden werden.

Heute schon an morgen denken – der lange Weg zur Weisheit (56-63 Jahre)

Irgendwann ist es dann soweit: Das Ende des Berufslebens und der Einstieg ins Rentenalter rücken so allmählich näher (ich ignoriere jetzt einfach mal die fortschreitende Anhebung des Rentenalters wink). Wir schauen zurück auf ein langes Berufsleben, die Kinder sind schon erwachsen, wir müssen uns nichts mehr beweisen und können schon langsam die Zeit des Ruhestands planen.

Sinnhaftigkeit spielt weiterhin eine große Rolle und somit auch der Wunsch, etwas Gutes zu tun. Wie wäre es denn, deine umfangreichen Erfahrungen an jüngere Generationen weiterzugeben und eine Art MentorIn zu sein? Oder du engagierst dich ehrenamtlich für etwas, das dir wirklich am Herzen liegt. 

Wichtig in dieser Phase ist die rechtzeitige Beschäftigung mit der Zeit nach dem Berufsleben. Ein paar ganzheitliche Fragen, die dir dabei helfen, sind z.B.:

  • Wie schaffe ich einen fließenden Übergang in die Zeit nach dem Berufsleben?
  • Habe ich auch finanziell vorgesorgt? 
  • Wie werde ich meine freie Zeit zukünftig sinnvoll gestalten? 
  • Wie kann ich aktiv bleiben, um nicht geistig und körperlich zu “verkümmern” oder in Langeweile und Depression zu versinken? 
  • Kann ich den “Ruhestand” auch als eine Art Neubeginn nutzen?

Mit 63 ist noch lange nicht Schluss

Und damit endet schließlich der dritte 21-Jahre-Lebensabschnitt, aber das Leben ist (hoffentlich) noch lange nicht vorbei. Rein statistisch gesehen haben wir noch einige Jahre vor uns und es liegt an uns, was wir daraus machen. 

Leider ist es so, dass viele mit Beginn der Rente in eine Art Loch fallen, sich plötzlich wertlos vorkommen oder nicht wissen, was sie mit der vielen Zeit plötzlich anfangen sollen. Deshalb ist es so wichtig, sich rechtzeitig damit auseinander zu setzen und nicht erst, wenn der Tag X gekommen ist.

    Du solltest jedoch nicht all deine Vorhaben und Träume auf den Ruhestand verlegen, getreu dem Motto “wenn ich erst einmal in Rente bin, dann…”. Denn leider wissen wir nicht, wieviel Zeit uns gegeben ist. Deshalb beginne rechtzeitig damit, herauszufinden, was du wirklich willst, was dich ganzheitlich glücklich macht und welche Dinge du noch erleben möchtest (z.B. in Form eine “bucket list” oder “Löffelliste”). 

    Ein erster sinnvoller Schritt wäre deshalb eine kostenfreie Ist-Analyse mit dem Lebensrad (Link zum Lebensrad), der Deep O.C.E.A.N.-Persönlichkeitstest inkl. Auswertungsgespräch oder einfach auch ein unverbindliches Klarheitsgespräch.